Monday, 12. November 2012

2. Bericht vom Worldmeeting 2012 von Enrico Rosenkranz

Worldmeeting im Kannon Onsen auf Izu in Japan Oktober 2012

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Bericht vom Tendo-World-Seminar 2012 in Japan

Japan ist anders. Trotz des großen technischen Fortschrittes ist das „alte“ Japan immer noch deutlich zu spüren. Das merkt man in den höflichen Umgangsformen der Menschen untereinander, die Art und Weise wie gearbeitet wird, wie gegessen wird und an den traditionellen Gebäuden. Auch die Religion (Buddhismus, Schintoismus) spielt für die Japaner einer größere Rolle, als es ei uns der Fall ist. Trotz der vielen Unterschiede habe ich mich dort sehr wohl und irgendwie heimisch gefühlt.

Besonders interessant fand ich den Kontrast zwischen der Metropole Tokio und dem ländlich geprägten Teil auf Izu. Während der Fortschritt in Tokio hässlich funktionale Gebäude entstehen lies, sind es gerade die im alten Stil erbauten Gebäude, die nur so vor Schönheit strotzen. Traditionelle Häuser umgeben von Wald, Zitrusbäumen, Reis- und Gemüsefeldern – bei so einem Anblick wurde mir immer ganz warm ums Herz.

Das Seminar selbst wurde im Kannon Onsen abgehalten. Trainieren, essen, schlafen, nette Gespräche führen, ein Buch lesen und in den heißen Quellen baden – es war einfach fantastisch. Einen großen Dank noch mal an die Organisatoren im Tendokan.

In zwei Wochen Japan habe ich eine Menge erlebt und auch einiges mit nach Hause genommen, was nicht materieller Natur ist. Zunächst konnte ich meine Aikidotechnik wieder etwas verbessern. Aber was wichtiger ist, dass ich noch mal in einigen Bereichen meine Einstellung überdenken muss, wie ich die Dinge angehe. Ein Gespräch mit Sato-san (Lehrer im Tendokan) war diesbezüglich sehr aufschlussreich.

Was mir seit meinem Japanbesuch klarer ist, ist, dass wir unser kulturelles Erbe nicht verlieren dürfen. Wir dürfen nicht alles dem technischen Fortschritt opfern, denn dieser produziert viel Hässlichkeit. Wie konnten die Baumeister früher mit einfacher Mathematik riesige, wunderschöne Kathedralen bauen, während heute ein Heer von Ingenieuren und Architekten Probleme mit der Statik bei der Elbphilharmonie hat? Um wie viel schöner und anmutiger sieht eine japanische Frau im Kimono aus, als wenn sie dagegen modische westliche Kleidung trägt? Dieses kulturelle Erbe, sollte jedes Land trotz Fortschritts für sich bewahren. Das gilt für die Japaner genau so, wie für uns.

Bei der Abreise war mir klar, ich werde wieder eine Reise nach Japan tätigen. Der Zeitpunkt steht zwar noch nicht fest, aber der Wunsch ist da. Vielen Dank auch an dich, Eckhardt, der uns Japan-Neulinge viele schöne Orte gezeigt hat, obwohl du sie schon kanntest. Das ist nicht selbstverständlich.