Tuesday, 24. November 2009
Bert Alpen

Japan 2009: Sightseeing in Tokyo

Neben dem regelmäßigen Training im Tendokan blieb uns noch etwas Zeit, um die Sehenswürdigkeiten von Tokyo zu besichtigen. Hier meine (sicherlich sehr subjektiven) Erinnerungen daran.

Am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend ist um 6.30 Uhr Frühtraining. Da Bahnen und Busse so früh noch nicht fahren mussten wir an diesen Tagen die Strecke vom Hotel zum Tendokan (ca. 2 km) zu Fuß zurücklegen. Das bereitete schon mal auf den weiteren Tag vor, denn wir sind viel gelaufen...

Tokyo Zentrum - Odyssee zu Fuß, 1. Teil
Ein absolutes Muss für jeden Besucher Tokyos ist der Tsukiji-Fischmarkt. Der ist etwas größer als unser Fischmarkt in Hamburg (irgendwo zwischen 100 und 1000 mal so groß), und da auch sehr große Fische verkauft werden, benutzen sie hier auch sehr große Messer um die Fischen zu zerteilen. Wir gingen also über diesen Markt, aber nicht länger als eine Stunde, also konnten wir uns auch nur einen kleinen Teil ansehen. Anschließend frühstückten wir (Fisch natürlich) und stöberten eine weitere Stunde durch die umliegenden Geschäfte. Unter anderem faszinierte uns der Laden, wo man tatsächlich diese riesengroßen Messer kaufen konnte.
Um unseren Füßen etwas Erholung zu gönnen fuhren wir anschließend mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof, um uns im Hibiya Park für das Kommende zu stärken: Den Kaiserpalast. Der ist ziemlich groß, und ein Wassergraben hält das gemeine Volk ab, weshalb konnten wir nur an der Außenmauer entlang gehen konnten. Die ist allerdings ziemlich lang, also konnten wir eine ganze Weile damit zubringen, den Kontrast zwischen den alten, weiträumigen Befestigungsanlagen und der dahinter liegenden City von Tokyo (modern, eng, Wolkenkratzer an Wolkenkratzer) zu bewundern.
Wer seine Füße danach noch spüren konnte nutze die Gelegenheit, die Electric City zu durchstöbern. Dort gibt es jede Menge technisches Spielzeug zu kaufen auf das die Japaner so stehen: Portable BlueRay Player (praktisch für die U-Bahn), jede Menge Film- und Fotokameras, aber auch viele Bausätze zum selber löten und basteln.
Anschließend fuhren wir zurück ins Hotel, von wo wir uns nach einer kurzen Erholungspause zum Abendessen aufmachten (zu Fuß natürlich). Da einige anschließend noch weitere Einkäufe machen wollten klapperten wir noch ein paar Geschäfte ab, bevor wir schließlich zurück ins Hotel gingen. Habe ich schon erwähnt dass wir viel gelaufen sind?

Tempelbezirk Kamakura - Odyssee zu Fuß, 2. Teil
Am nächsten Tag begaben wir uns nach Kamakura, wo es viele sehr schöne alte Schreine und Tempelanlagen gibt. Kamakura ist eine Stadt am äußeren Rand der Metropole Tokyo, ich war daher sehr erleichtert dass wir den Weg dorthin nicht etwa zu Fuß, sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Angriff nahmen. Aber ich hätte mich nicht zu früh freuen sollen: Die Wege zwischen den verschiedenen Sehenswürdigkeiten betrugen durchaus einige Kilometer, und die wurden selbstverständlich auf Schusters Rappen zurück gelegt... Wir begannen nahe der U-Bahnstation Kitakamakura mit einer sehr schönen Tempelanlage. Leider weiß ich den Namen nicht mehr, aber laut Google Maps war es Meigetsu-in, Choju-ji oder Kencho-ji. (Ich sagte ja, es gibt dort viele Tempel!) Eines der Gebäude dort wurde als Dojo für Kyudo benutzt, leider durften wir nur von Weitem zusehen.
Anschließend gingen wir zum Tsurugaoka Hachiman-gu Schrein, dem wichtigsten Shinto-Schrein in Kamakura, mit seinen wundervollen Holzgebäuden. Vom Hauptgebäude des Schreins herab hat man einen tollen Blick auf die Hauptstraße von Kamakura, die von japanische Kirschbäumen gesäumt wird. Während der Kirschblüte muss das ein noch schönerer Anblick sein!
Nach einem leckeren Mittagessen in der City von Kamakura machten wir uns auf zum Daibutsu, der großen Buddha-Statue. Die knapp 2.5 km bis dahin waren für unsere mittlerweile ans Laufen gewöhnten Beine überhaupt kein Problem, und der Anblick der fast 14 m hohen Bronzestatue war den Weg absolut wert. Besonders faszinierte mich, dass die Statue bereits vor über 750 Jahren aus Bronze gegossen wurde. Die dabei verwendete Technik ist heute leider nur noch zum Teil bekannt.
Auf dem Rückweg nach Tokyo machten wir noch einen kleinen Abstecher nach Enoshima, einer kleinen Insel direkt vor der Küste der Sagami-Bucht, um einen Blick auf das Meer werden zu können. Der ursprüngliche Plan sah vor die Insel zu Fuß zu erkunden, aber der einsetzende Regen bremste unseren Enthusiasmus. So überquerten wir zwar die 600 m lange Brücke zur Insel, suchten uns dort aber gleich ein Restaurant um uns bei einem Tee oder Kaffee wieder aufzuwärmen (nein, uns taten nicht etwa die Füße weh vom vielen Laufen!)

Asakusa - Odyssee zu Fuß und per Fähre
Asakusa (ausgesprochen "Asak'sa") ist ein Stadtteil im Nordosten von Tokyo, der sich vor allem durch zwei Dinge auszeichnet: 
Den Senso-ji Tempel, dem ältesten buddhistischen Tempel in Japan, und durch die Andenkenshops auf der zum Tempel führenden Straße. Wenn jemand mal in Tokyo ist, und eine große Auswahl an pseudojapanischem Andenkenkitsch sucht, dann sollte er direkt nach Asakusa gehen! Es gibt neben Plastiksamuraischwertern in allen Größen, Ninjamasken-Schlüsselanhängern und jeder Menge Hello-Kitty Ramsch auch das Eine oder Andere wirklich nette Mitbringsel zu entdecken, allerdings zu recht saftigen Preisen. Wer sich von diesen Details nicht irritieren lässt kann den schönen Anblick der Straße zum Tempel genießen. Sobald man am Tempel anlangt liegt der Tourismusrummel plötzlich hinter einem. Wir waren beeindruckt von der Anmut der Tempelbauten, die trotz ihrer Größe nicht monumental wirkten. Neben dem Tempel fanden wir einen japanischen Garten wie aus dem Bilderbuch, der uns zur Erholung vom Touristenrummel einlud. Frisch gestärkt stöberten wir durch die Geschäfte in den umliegenden Straßen und Gassen. Die Qualität der Ware dort war bisweilen deutlich höher als in der Tempelstraße, die Preise allerdings auch.
Nachdem wir in einem kleinen Straßenrestaurant zu Mittag gegessen hatten (alles war sehr lecker, bis auf die Qualle, die schmeckte nach Nichts), begaben wir uns zum nahen Fluss Sumida, wo wir eine Fähre in Richtung der Bucht von Tokyo nahmen. Fand ich eine gute Idee, denn übers Wasser gehen kann ich leider nicht. Wir sahen uns Tokyo vom Wasser aus an und ruhten uns dabei ein bisschen aus, bis wir unser nächstes Ziel erreicht hatten: Den Hamarikyu Garten.
Er befindet sich direkt an der Mündung des Sumida in die Bucht von Tokyo und ist unter anderem bekannt für Shiori no Ike, einen Teich der mit Meerwasser gefüllt ist. Der Park ist voll mit schönen, zum Teil sehr alten Bäumen, am Rand des Sees befindet sich ein japanisches Teehaus. Wir konnten gar nicht genug bekommen von diesem Ort, und machten uns erst auf dem Heimweg als die Sonne langsam unterging.

Meji Schrein - Odyssee zu Fuß, 3. Teil
Im Meiji-Schrein werden die sterblichen Überreste des Meiji-Kaisers Mutsuhito und seiner Gemahlin Shoken verehrt. Der Schrein wurde während des zweiten Weltkriegs bei Luftangriffen zerstört und nach Kriegsende durch die Arbeit von über 100.000 Freiwilligen wieder aufgebaut. Die Gesamtanlage besteht aus dem Schrein und verschiedenen Nebengebäuden, die in einer großen Parkanlage liegen. Der Park ähnelt mehr dem Hamburger Stadtpark als den japanischen Parkanlagen die wir bisher gesehen hatten. Er ist schön weitläufig, mit stark bewaldeten Flächen, aber auch großen Wiesen. Am Parkeingang steht das zweitgrößte Torii Japans. Nach etwa 500 m erreichten wir den Eingang des Schreins. Auf der einen Seite sind bestimmt über hundert Sakefässer aufgebaut, die dem Schrein gestiftet wurden, auf der anderen Seite des Weges finden sich dagegen Eichenfässer mit Wein. Ob die Fässer noch über ihren ursprünglichen Inhalt verfügten lies sich leider nicht feststellen. Im Schrein selber durften wir nicht fotografieren, da gerade eine Zeremonie (vermutlich eine Hochzeit) statt fand.
Anschließend gab es in der Nähe noch die Omote-Sando, eine weitere Einkaufsstraße, zu erkunden. Touristen sei besonders der Oriental Bazaar für qualitativ hochwertige Andenken und Mitbringsel ans Herz gelegt, sowie die wahrscheinlich kleinste und angeblich beste Espresso-Bar von Tokyo (für Einzelheiten wendet Euch am besten an Marcus). Da ich meine Füße am Ende nicht mehr spüren konnte, taten sie auch nicht mehr weh...

Alles in Allem hat mich Tokyo sehr beeindruckt. Es is eine riesige, aber immer wieder schöne Stadt. Besonders das Nebeneinander von Alt und Modern, von Tradition und Fortschritt fand ich sehr interessant. Für die Japaner scheint darin, anders als für uns Europäer, kein Widerspruch zu liegen. Zwei Wochen waren viel zu kurz.
Zum Abschluss sei noch einmal ausdrücklich darauf hin gewiesen: Sightseeing in Tokyo mit anderen Aikidoka ist nichts für Schlaffis! Glücklicherweise hatten wir ja Eckhardt und Klaus dabei, die uns in Momenten der Schwäche freundlich darauf hin wiesen, dass das viele Gehen ein gutes zusätzliches Training für den Bewegungsapparat darstelle, somit unsere Ausdauer stärke und wir daher die nächste Trainingseinheit im Tendokan viel intensiver trainieren könnten. 
Wer weis, vielleicht stimmt das ja sogar. Mich hat das Training im Tendokan auf meinem Weg zum besseren Aikido einen weiteren kleinen Schritt voran gebracht. Aber darüber schreibt ja Lars einen Artikel.