Wednesday, 07. January 2009
Eckhardt Hemkemeier

Das neue Jahr

Vorsätze und Durchsetzung dieser Vorsätze

 

Das neue Jahr

 

Wieder hat ein neues Jahr begonnen, aber nur nach dem Kalender, wie es scheint.

Der Winter wird so schnell nicht gehen, die guten Vorsätze, soweit man sie sich gab, schwinden schon wieder und der Alltag, eben alle Tage, hat einen wieder.

In Japan beginnt das neue Jahr auch mit einem großen Fest, dem Kagamibiraki. Für die einen ein großes Gelage mit Essen und Trinken, für die anderen eine ernste, sogar religiöse Zeremonie, und es gibt ein Gemisch aus Allem.

Sein Gesicht, welches die Person im dunklen Sakefass sieht, wird gebrochen, indem er den Schöpflöffel dort eintaucht, und es entsteht neu, wenn sich die Oberfläche beruhigt.

Doch ist es ein anderes Gesicht? Ist der Vorsatz, ein anderer besserer Mensch zu werden, schon durchgesetzt?

Ist es nicht eigentlich der Alltag, also jeder Tag, der die Veränderung durchführt? Wenn wir jeden Tag eine Kleinigkeit verbessern und verändern?

Jetzt in diesem Augenblick werde ich meine schlechten Gewohnheiten unterbrechen und es etwas besser machen. Ich werde jedes „Aber“ weglassen, welches im selben Augenblick eine Entschuldigung einleitet. Dann wäre jeder Augenblick Neujahr, ein Neubeginn.

Im Dojo hier bei uns, feiern wir auch das Kagamibiraki, nach einer Woche Frühtraining und Abendtraining. Wir laden Aikidoka aus anderen Dojos dazu ein und genießen das riesige Buffet und die guten Getränke. Manche übernachten im Dojo oder bei Freunden und es bleibt oft eine wunderbare Erinnerung, wenn auch manchmal mit einem kleinen Kater. Bei der Aufräumaktion am nächsten Tag sind viele gute Vorsätze bereits verschwunden. Viele, die zugesagt hatten, kommen nicht, weil das Bett doch bequemer ist. Also sieht man die selben Gesichter wie in den Jahren zuvor, die Selben kommen rechtzeitig, die Selben kommen zu spät. Immer die gleichen Leute denken dann mehr ans Frühstück und an ein paar lustige Gespräche. Immer die Gleichen haben bereits den grössten Teil geputzt, die Toiletten gereinigt und die Reste des Buffets sortiert.

Ein paar Tage später sieht man bei den anderen Teilnehmern des Festes das „Aber“ im Gesicht, während sie durch die Tür hereinkommen.

Das tägliche Training hilft einem sehr bei der Durchführung guter Vorsätze, es ist eine Gelegenheit, täglich neu zu beginnen, weil wir im Aikido bewusst immer neu beginnen, um unseren Geist und Körper mit neuen und besseren Informationen zu füttern. Dies stärkt uns auch, um andere Vorstellungen durchzusetzen. Sogar um uns zu unseren kleinen Lastern zu bekennen und diese nicht Herrscher über uns werden zu lassen.

Also lasst uns die Kangeiko, das Training in der Frühe und Kälte des Winters begehen, beim Kagamibiraki das Spiegelbild unseres alten Ichs zerbrechen und in das neue Aikidojahr hinein feiern.