Wednesday, 07. January 2009
Gaëlle Hemkemeier

Gaëlles Reisebericht Japan Oktober 2008

NIHON WA SUGOI DESU!

NIHON WA SUGOI DESU !
Im Flugzeug enthüllt sich bereits Japan
Der Fujiyama ist zu sehen! Shimizu Sensei sagt später dazu, es sei wirklich ein Glückfall, denn viele Japaner hätten in ihrem Leben den berühmten Berg nie zu Sicht bekommen!
Wir landen in der strahlenden Sonne.
Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich endlich auf japanischem Boden bin. Sensei hatte mich immer wieder gefragt, wann ich kommen würde. Immer wieder habe ich ihm geantwortet, dass ich ihn besuchen würde, sobald ich es könne. Und immer wieder musste ich wegen beruflicher Umstände diese Reise verschieben. Immer mehr kam die Frustration, das Land von Shimizu und Waka Sensei nicht zu betreten. Immer wieder ragte die Qual heraus, nicht zu erleben, was meine Vorgänger Eckhardt, Markus oder Klaus an Aikido, Bekanntschaften und Kultur genossen haben, was sie durch Ihre Berichte gefühlsvoll übertragen haben.
Nach zehn Jahren habe ich es endlich geschafft. Die Tränen kommen mir hoch.

Eine andere Welt
Koryuki-San, der hoch geehrte ältere Schüler von Sensei, empfängt uns warmherzig in der Ankunftshalle und kutschiert uns nach Tokio.
Schon die Strecke vom Narita-Flughafen in die Hauptstadt ist an und für sich ein Erlebnis.
Die Luft duftet anders als bei uns; es ist, als bestimmte Pflanzen, die es bei uns nicht gibt, die Atmosphäre bereinigen würden.
Auf der Autobahn glänzen die Tank-LKWs. Ich bewundere die von Europa unbekannten Honda-, Nissan- oder Toyota-Automodelle (wie den Wagen von Koryuki-San).
Ich spüre zwar den Jetlack, aber die neue Szenerie hält mich wach und neugierig. Meine Augen reißen sich immer mehr auf. Mir ist sogar, als würde ich vor Staunen die ganze Zeit den Mund offen halten.
Wir kommen in Tokio an. Die dicht beieinander gebauten, meistens eckigen Hochhäuser ragen wie Kübel aus Pappkarton heraus. Wir fahren über die hochgestellte Autobahn.

Nach anderthalb Stunden Fahrt erreichen wir das Tendokan
Mich wundert seine Lage in der Nähe von der Autobahn. Ich hatte mir tatsächlich das Dojo eher weiter davon entfernt vorgestellt. Es mag wohl daran liegen, dass das Aikidogebäude von keinem Hochhaus umgeben ist, sodass es scheinbar in einer ruhigeren Gegend liegt.
Ich betrete das Dojo: Gleich überkommt mich das Gefühl, zu Hause zu sein. Dies empfinde ich dann weiter, als ich am selben Tag am ersten Training teilnehme: Trotz der sprachlichen Barriere nehmen mich die Tendokan-Mitglieder sofort, ganz und gar auf.
Mittwochs findet das Kindertraining, dessen Verantwortlicher Waka Sensei  bzw. Kenta Shimizu, ist, statt. Vor mir sehe ich einen Lehrer, der mit seiner starken Präsens und natürlichen Autorität die Kinder mitreißt. Wie bei den Erwachsenen lernen die Kinder, was Shoshin bedeutet, warum der Dogi weiß ist, aus welchem Grund man sich vor dem Lehrer und seinem Partner verbeugt bzw. ihnen hingibt.
Die Hingabe von Kentas jüngeren Schülern und Schülerinnen spüre ich selber, als ich mich den Kindern vorstelle: Sofort werde ich von ihnen aufgenommen. Trotz meines spärlichen Japanisches folgenden Sie mir ohne Widerstand, ohne „Ja, aber...“, verbeugen sich und bedanken sich bei mir.
Solche Schüler hätte ich zu meiner Zeit als Grundschul- und Gymnasiallehrerin gerne öfter gehabt, denn Respekt, Hingabe und Dankbarkeit haben bei vielen Kindern bzw. bei ihren Eltern in Europa einen saloppen, erniedrigenden Wert angenommen. Das Aufgeben seiner eigenen Vorstellungen bereitet einem Angst und verursacht eine Schutzreaktion - das weiß ich aus eigener Erfahrung. Hingabe bringt aber keinen Verlust seines eigenen Egos mit sich; Hingabe beinhaltet Vertrauen, die Bereitwilligkeit, sich vom anderen zu einer starken, offenen und belastbaren Persönlichkeit befähigen zu lassen.
Das Erwachsenentraining setzt sich seit kurzem aus zwei 45-minütigen Einheiten mit einer halben Stunde Pause. Das kommt bei mir sehr gut an, nachdem ich anderthalb Monate lang fast nicht trainiert habe.
Das Tendokan ist eine internationale Plattform: Besucher aus Deutschland, Frankreich und China üben mit den hiesigen Kämpfkünstlern gemeinsam die Körpersprache des Tendoryu-Aikidos. Es ist auch ein Erlebnis, Shimizu Sensei ohne Übersetzung zu entdecken. Ist „entdecken „wirklich“ das richtige Wort? Eigentlich nicht: Unser Meister verhält sich genau bei seinen Schülern wie bei uns, wenn er Lehrgänge in Europa leitet. Die Erklärungen oder Anekdoten, die ich ihm entnehmen konnte, kenne ich auch aus den Seminaren. Deshalb verstehe ich noch mehr, warum Sensei die Stiftung des Tendoryu Aikido „Tendo World Aikido“ genannt hat.
 
Abends führt uns Sensei zu einem seiner Lieblingsrestaurants, „Hana Shiki“, das sein Schüler Herr Okura leitet. Und so beginnt der lang ersehnte Genuss der Spezialitäten mit dem örtlichen, unersetzlichen Geschmack: im Mund zarte, schmelzende Sashimi, leichte knusprige Tempura, u.a. aus „Hase“, einem kleinen runden japanischen Fisch, Shabu Shabu... Es schmeckt so gut, dass ich davon Gänsehaut bekomme. Umai desu! Kleiner Schatten: Meine linke Hand verkrampft sich vom Stäbchenhalten. „Es dauert ein paar Tage, dann wird du dich daran gewöhnt haben“, sagt mir Sensei.
Meine Müdigkeit meldet sich ganz sanft bei mir. Ja, müde bin ich, aber was für ein wunderbarer Tag...

Tokio im Grünen
Nach dem Frühtraining (06.30 - 07.15 Uhr) schreit mein Körper vor Schmerzen. Der Druck ist so hoch, dass meine Augen Tränen lassen: Die Erkältung, die ich mich seit einer Woche belästigt, nimmt überhand. Ich fühle mich elend. Das europäische Frühstück -leckeres Brot aus der Bäckerei und „importierter“ Käse und Schinken schaffen mir etwas wieder Kraft. Nein, ich will nicht aufgeben, es gibt noch so viel zu sehen, zu erleben...
Wir begeben uns nach Shinjuku, zum Meiji Park. Dieser zählt zu den Grünoasen der Millionenstadt. Das riesige Tor aus Sequioastämmen  kündigt den Übergang zur traditionellen Kultur an. Sowohl der Schrein wie die ausgestellten, minutiös gepflegten Bonsai verleihen dem Besucher innere Ruhe. Das rituelle Händewaschen vor Betritt des heiligen Ortes unterstützen diesen Vorgang.
Anschließend schreiten wir zu den japanischen Champs-Elysées, der „Omote-Sando“. Unter den teuren Boutiquen versteckt sich die kleinste Expressobar Tokyos: ein Wagen mit Mini-Theke. Wie der Expresso schmeckt, wissen am besten meine Vorgänger Marcus und Klaus. Unser Weg geht zurück nach Sangen-jaya.

Der Kan Non Onsen oder das wieder gefundene Paradies
Fahrt an der Küste
„Gaëlle, du wirst es nicht glauben... Das Wasser.... Das Wasser ist wie eine Creme für Deine Haut, danach fühlst du dich wie neu geboren“...
Von Männern und Frauen habe es gehört. Dann bin ich gespannt...
Früh am Freitagmorgen verlassen wir Tokio in Richtung Izu, dieser Halbinsel südwestlich der Hauptstadt. Der Charme der Strecke verblasst trotz Regen nicht: Nagai Sensei, der uns in seinem bequemen Honda chauffiert, hat sich mit Sensei für die Strecke an der Küste entschieden. Eine fabelhafte Angelegenheit. Kurz halten wir in Atami, einem ehemaligen Badeort, um unser Frühstück zu kaufen. Diesmal entscheiden wir uns, Eckhardt und ich, für ein japanisches Mahl: Nigiri (gefüllte Reisbällchen mit Algenblatt) und Mochi (Reispaste mit süßer Füllung). Bei Sensei, Kenta und Birgit wird europäisch gespeist.
Am Vormittag erreichen wir Shimoda, die berühmte Stadt, die Japan nach 300 Jahren Autarkie, unter dem Angriff des amerikanischen Generals Perry zu den Toren der Welt öffnete.
Zweite Gourmet-Station: Das Restaurant Yue, in dem der japanische Aal, Unagi, zubereitet wird. Abgesehen von den Filets sind sowohl die Gräten als auch die Innereien sind ein Delikatesse. Die Lebersuppe schmeckt mir leider etwas zu stark, zu Eckhardts Vergnügen -zwei Portionen können nicht schaden...

Das Dojo des Kan Non Onsens

Wohl gesättigt fahren wir zum Kan Non Onsen. Erstmal wird das Dojo fertig eingerichtet. Jeder greift nach Arbeit. Zusammen wird überlegt, wie die Matten am sinnvollsten zusammengelegt werden sollen. Anschließend gehen wir in unser Zimmer, dann ins kleine Onsen. Die Anlage besetze ich für eine knappe Stunde ganz alleine, denn Frauen und Männer baden getrennt, und bisher ist keine der anderen weiblichen Mitglieder zu sehen. Das Wasser fühlt sich tatsächlich sehr weich, wie durchsichtige Lotion an. Ich gehe zum frei gelegenen Onsen. Die angenehme Wärme des Wassers lässt mich den leichten Regen vergessen. Ich spüre schon, dass dieses Bad gegen meine Erkältung positiv wirkt.
Das Training gibt mir die Gelegenheit, noch mehr Tendokan-Angehörige kennenzulernen. Ich trainiere u. a. mit Nagai Sensei, einem der ältesten Schüler von Shimizu Sensei. So einen Partner habe ich, abgesehen von Kenta noch nie erlebt: Nagai Sensei führt mich so, dass ich alle meine Ängste verbannen konnte und ihm bei verschiedenen Wurftechniken folgte. Wiederum folgte Nagai Sensei ganz natürlich meiner Bewegung.

Genuss pur

Nach diesem Training komme ich in den Genuss des großen Onsens. Es ist wie aus dem Bilderbuch, die Zeit geht zurück und hält für eine Weile an. Das Gefühl, sich im Kan Non Onsen neu geboren zu fühlen, begreife ich. Und jetzt, dass ich hier gerade diese Zeilen schreibe, fällt mir etwas ein: Gleicht dieses Wasser nicht etwa der Flüssigkeit, die sich in der Gebärmutter befindet, uns das Gefühl des unvergleichbaren Wohlbefindens verleiht und angenehme warme Geborgenheit schenkt?
Abends wird gemeinsam gegessen. Akame, ein roter Fisch als der Region von Izu, wird serviert.
Nakamura-San bittet mich, da ich zum ersten Mal zu Besuch in Japan bin, eine Rede zu halten. Ich bestätige dann, was ich am ersten Tag empfunden habe: Ich fühle mich im Tendokan zu Hause. Ich hoffe, dass die hiesigen Mitglieder, die eines Tages nach Deutschland kommen werden, sich auch zu Hause fühlen werden.
Nach dem Frühtraining ist das erste traditionelle Frühstück (u.a. getrockneter Aji-Fisch, Reis, und Tofu) willkommen. Ich denke nicht einmal an Brot und Butter...
Nach dem Frühstück macht sich die Gruppe auf für gemeinsamen Ausflug nach Shimoda. Währenddessen baggert die über 60-jährige Eigentümerin der Badeanstalt in Kostüm den Vorgarten um. Kommentar der ehrwürdigen Betroffenen: „Wenn es mit den Umbauarbeiten nicht vorangeht, muss man es wohl selbst machen, nicht wahr?“

Ab ins Freie

Nach dem Lehrgang fahren wir zu den Eltern von Herrn Matsuida, einem Schüler von Shimizu Sensei. Vor einem üppigen leckeren Essen beteiligt sich jeder an der Kakiernte. Sensei übernimmt den Honda von Nagai Sensei. Voll beladen von den orangefarbenen Früchten und Kan Non Wasser setzen wir unser Besichtigung der Izu Halbinsel fort.
Eine mit Felsen geschmückte Küste, die immer wieder von Surfern belebt wird. Kein Badegast ist zu sehen. Bei einem kurzem Halt komme ich in Versuchung, meine Füße ins Meer zu tunken: Die Temperatur ist angenehm warm. Da kann man sich auch gut aufhalten... und gerade Ende Oktober!
Wir übernachten in Yumi Gahama,, und zwar in einem Onsen, der sich in einem alten Haus aus dem 19. Jahrhundert befindet. Sehenswert sind nicht nur die hölzernen Räume, die mit älteren Feuerstellen und Samurai-Ausrüstungen belegt sind, sondern auch der Besitzer dieser Anstalt: stolz begrüßt er seine Gäste, gekämmt und gekleidet wie die ehemaligen japanischen Krieger.
Wir setzen am folgenden Tag unsere Besichtigung über die Westküste von Izu fort. Wir gönnen uns als Wellness-Pause ein Bad in einem frei gelegen Onsen mit Blick aufs Meer. Traumhaft...
Langsam begeben wir uns nach Tokio zurück.

Shinjuku und Asakusa
An den folgenden Tagen setze ich mit Eckhardt meine Besichtigung von Tokio fort.
Shinjuku bietet in zahlreichen Läden allerhand Kameras, und Computerzubehör. Durch die riesige Auswahl, die bunten Aushänge mit unzähligen Angeboten bekomme ich Glotzaugen. Darum verstehe ich den Ausdruck „elektrische Stadt“ für diesen Distrikt. Im krassen Gegensatz zu dieser elektronischen Orgie steht der Kaiserpalast und dessen anliegenden Gärten. Wieder eine grüne Oase. Eckhardt bewundert über (!) dem geschlossenen (!) Tor Männer im weißen Hakama, die im kaiserlichen Dojo Iaido üben. Gut, dass das alte Wächterhaus gleich gegenüber schon lange nicht mehr besetzt ist...
Zurück zum Lebhaften, indem wir nach Asakusa weiter fahren. Das Asahi-Bierhaus gehört jetzt länger zu den Wahrzeichen dieses Stadtteils. Traditioneller sind aber die festen Marktstraßen, die vom Asakusa Kannon Tempel, Sensoji, überragt sind. Kimonos, Reisgebäck, Glücksbringer werden u.a.  den Touristen angeboten. Zu unserem leiblichen Wohl speisen wir in einem winzigen Bar-Restaurant, das von einem älteren Paar betrieben wird. Viele Gäste scheinen die Lokalbesitzer länger zu kennen. Ein anderer Beweis für den festen Kundenstamm sind die zahlreichen Chochu-Flaschen, ein Kartoffelschnaps, die den Namen bestimmter Kunden tragen und in einem Sonderregal stehen.

Ausflug außerhalb Tokio
Sensei möchte uns noch einmal außerhalb Tokios herumführen. Wir verlassen die dichte Hauptstadt Richtung Gotemba. Da imponiert uns der weiße buddhistische Tempel, umgeben von Ruhe, bewacht u. a. von den Löwen von Tokio, Hongkong, Malaysia, Vietnam und Korea. Gegenüber dressiert sich der Fujiyama. Dieser bleibt aber scheu, denn er bleibt hinter den Wolken versteckt.
Weiter fahren wir nach Hakone. Meterlange Pampa-Felder („Suzuki“) beschmücken für ein paar Minuten die Strecke. Aus weiter Ferne ist der rauchende Schwefelberg, berühmt für seine leckeren Schwefel-Eier, zu sehen. Aus zeitlichen Gründen werden wir nicht die Gelegenheit haben, diese Delikatesse zu kosten. Schade, denn sie soll zehn Jahre jünger machen...
Zum meinem aber größten Vergnügen probiere ich zum ersten Mal sehr leckere Soba, kalte Nudeln aus Buchweizen im Restaurant von Oba San, was „Frau Großmutter“ heißt.
Eine anderes Wunder der Natur sind die Sequoia-Wälder am Hakone Tempel. So klein ist der Mensch, wenn man zu diesen Bäumen hinaufschaut...
Das Hotel Fujiya in Gora verkörpert die gelungene Architektur aus der japanischen und westlichen Kultur. Im Jahre 1880 erbaut, bietet er in einer feinen und gemütlichen Atmosphäre die Gelegenheit, einen leckeren Kaffee zu genießen. Sehr beeindruckend ist ebenfalls der terrassenweise angelegte Garten. Bevor wir uns auf dem Weg nach Tokio begeben, verbringen wir eine Stunde im Ten-Zan-Onsen. Die Einrichtung ist halb frei angelegt. Die angenehme Wärme des Wassers schützt uns vor den kalten Temperaturen.
Am Tag darauf fahren uns Sensei und Birgit in ein Freilichtmuseum, wo riesige Reetdachhäuser zu besichtigen sind. In jedem Haus werden die Zimmer von einer Shoji (Trennwand) abgegrenzt; jeweils einer der Räume ist mit einer zentralen Feuerstelle versehen.
Am Abend begeben wir uns erneut ins Restaurant „Hana Shiki“, in Beleitung von Nagai und Watanabe Sensei. Die ältesten Schüler von Sensei erzählen uns von ihren Anfängen, von Waka Sensei als „Junior-Aikidoka“, von der französischen Musik, die sie sich damals gern angehört haben.
Am Sonntag verlassen wir Tokio, Richtung Chuo Rinkan. Dort wohnt Eckhardts Patentkind Iyo.
Es ist immer wieder ein Erlebnis, in einer japanischen Familie Gast zu sein. Bei Herrn Matsueda habe ich das Leben in einem alten japanischen Haus kennengelernt. Jetzt übernachte ich in einem modernen Haus. Die fünfköpfige Familie (plus zwei Hunde) empfängt uns wie Familienangehörige.
Am Montag 3. November ist Kulturtag bzw. Feiertag. Viele japanische Familien ziehen sich dann traditionell an. Besonders süß fand ich die 3-, 5, und 7-jährigen Kinder mit ihren bunten Kimonos und ihren schönen Frisuren.
Mit Iyo und ihrer Mutter Keiko fahren wir nach Kamakura. Diese Stadt, die am Meer liegt, ist für ihre Tempel und ihren riesigen, imponierenden Buddha berühmt. Beeindrucksvoll ist auch der Bambuswald, der durch seine Höhe und Dichte eine besondere Dämmerung, eine ungewöhnliche Atmosphäre ausstrahlt. Trotz der Menschenmenge ist die Besichtigung dieser Stadt sehr spannend.
Der letzte Dienstag setzt mit Frühtätigkeiten an: Nach dem Frühtraining begleitet uns Birgit zum  Fischmarkt in Tokioer Sokuji-Viertel. Die Bezeichnung „Fischmarkt“ ist eigentlich untertrieben. Die kilometerlangen Markthallen bieten eine Orgie an äußerst frischen Fischen und Meeresfrüchten, von denen viele mir völlig unbekannt sind. Verschiedenste Thunfischstücke regen einen zum Genussverzehr an. Das Gewimmel der Händler wird durch die rotierenden Abschleppminifahrzeuge verstärkt. Eine Ameisenwelt, die für einige Stunden ganz Japan mit den besten Meeresprodukten versorgt.
Und was für ein Geschmack…
Sensei und Kenta schließen sich uns gegen Mittag an und führen uns zum einem der ältesten Restaurants Tokios. Diese Gaststätte imponiert schnell durch seine Einrichtung: Grobe Tatamis als Grund und sehr lange, schmale und niedrige Tische als Essfläche. Die Anwesenheit von zahlreichen Kindern spricht für ein angesehenes Familienrestaurant. Das Lokal ist ebenfalls für seine Fischspezialität bekannt: kleine leckere Fische namens „Dojo“. In einem kleinen Gusseisenfass zusammen mit Frühlingszwiebeln und Kräutern gekocht, werden sie mit Reis verzehrt. Für mich wieder eine neue Kochart, denn ich kannte bisher nur gebratene Stinte.
Unser Aufenthalt geht seinem Ende zu. Wir erledigen unseren letzten Einkauf. Am Abend, nach der ersten Einheit verabschieden wir uns von den Tendokan-Mitgliedern. Kenta übernimmt das zweite Training. Nachdem Waka Sensei die erste Bewegung vorführt, verlassen wir das Dojo.
Für mich dreht sich eine Seite, der Inhalt bleibt aber für immer geprägt. Ein Inhalt, der meinem Körper und Geist frische Energie zuführt, mich zu einem neuen Anfang, einem neuen Schwung anregt und mir gleichzeitig zu inneren Ruhe einlädt. Etwas sagt mir, dass ich von nun an öfter auf meinen Bauch hören soll.
Die Boeing 747 verlässt den japanischen Boden. Zu unserer größten Freude entschleiert sich der Fujiyama und verabschiedet sich von uns. „Ja, Ihr werdet kommen noch mal kommen“, heißt es.
Zwei Monate sind seitdem vergangen, und die Erinnerungen sind immer noch so lebendig: Die Gesichter und Landschaften, die meine Augen noch befüllen, wie die Stimmen und Geräusche, die in meinen Ohren noch summen, die Düfte, die meiner Nase schmeicheln.
Auf meinem Bauch höre ich seitdem jeden Tag, denn ich merke, dass er mir oft und vielmehr mehr als tausend Überlegungen die richtige Entscheidung treffen lässt, mir Stärke und Vertrauen verschafft. Und seitdem ich weiß, dass ein kleines Wesen jetzt in diesem Bauch wächst, bin ich mir bewusst, dass dieses Körperzentrum mir die eindeutigsten Signale für ein gesundes Handeln sendet.
Herzlichen Dank an Sensei, Birgit, Kenta und alle Tendokan-Mitiglieder, an Iyo und ihre Familie für diesen unvergesslichen Lebensabschnitt.