Monday, 22. September 2008
Oliver Höppner

Herzogenhorn 2008

[BLZ Herzogenhorn]

Dieses Jahr war es soweit: Mein erster Lehrgang mit Shimizu Sensei auf dem „Horn“. Der Herzogenhorn ist eine der höchsten Erhebungen des Hochschwarzwaldes, etwa 25 km südöstlich von Freiburg und 30 km nördlich der deutsch-schweizerischen Grenze gelegen. Dort befindet sich ca. 100 Höhenmeter unterhalb des Gipfels ein Leistungszentrum für Ski- und Radsportler, Gewichtheber und Budokas und seit über 25 Jahren finden dort jeden Sommer zwei jeweils einwöchige Aikido-Lehrgänge unter der Leitung von Sensei Kenji Shimizu, dem Kancho (Begründer) des Tendoryu-Aikido, statt.

Natürlich hatte ich in den letzten Jahren schon an diversen Lehrgängen von Shimizu Sensei teilgenommen und so war mir er selbst und seine Art zu unterrichten schon gut bekannt. Aber das besondere Ambiente und der Flair eines einwöchigen Trainingslagers auf dem Horn sind doch etwas Besonderes, das ich bisher noch nicht kannte, von dem ich aber schon viel gehört hatte: Die Abgeschiedenheit des Trainingsortes fördert die volle Konzentration auf das Aikido und man hat Muße und Gelegenheit vom Alltag abzuschalten und in sich zu gehen. Aufgrund vieler hochgraduierter Teilnehmer hat das Training ein hohes technisches Niveau und man wird permanent körperlich und geistig gefordert. Schließlich hat die Gegend auch touristisch einiges zu bieten.

Der Sommer 2008 zeigt sich während des Lehrgangs von seiner besten Seite. Auch wenn sich dort oben das Wetter sehr schnell ändern kann, war Petrus den diesjährigen Lehrgangsteilnehmern größtenteils wohlgesonnen: Während unten im Rheintal über 30 Grad im Schatten bei hoher Luftfeuchte herrschten, war es auf dem Horn bei 25 Grad und kühler Bergluft dagegen sehr erträglich. Bei Sonnenbädern in den Trainingspausen war ausreichender Sonnenschutz angeraten. Die idyllische Landschaft lädt zu Erkundungen zu Fuß und per Automobil ein. Klassiker sind Wanderungen zur Krunkelbachhütte oder Ausflüge zu Schluchsee oder Titisee am trainingsfreien Mittwochnachmittag. Verdauungsspaziergänge zum Gipfel des Herzogenhorns mittags oder am Abend sind auch sehr beliebt und bei guter Sicht kann man sogar die Schweizer Alpen sehen.

Die Trainingseinheiten verliefen sehr harmonisch und diszipliniert und jeder Teilnehmer hatte Gelegenheit an seiner Technik zu feilen. Sensei beobachtete alles kritisch vom Mattenrand aus und griff hilfreich ein, wenn es ihm notwendig erschien. Zwischen den Übungen nahm sich Shimizu Sensei wie immer auch Zeit, uns ein wenig mehr über das Budo und die Hintergründe des Aikido zu erzählen und vergaß auch nicht, einige Anekdoten aus seiner Zeit als Uchi-Deshi bei O’Sensei zum besten zu geben. Birgit Lauenstein übersetzte die Worte Senseis simultan ins Deutsche.

Während der Woche wurden bis auf wenige Ausnahmen alle Nage-waza und Katame-waza trainiert, wobei jedoch Shiho-nage und Kokyu-nage eine bedeutende Rolle einnahmen. Am Donnerstag wurde auch eine Trainingseinheit mit Jo und Bokken eingelegt, wobei Shimizu Sensei darauf hinwies, dass die Waffen vor allem als Hilfsmittel zum besseren Verständnis der Techniken dienen und das Waffentraining nicht zum Selbstzweck werden sollte. Bei der Vorführung und Erläuterung der Aikido-Techniken fungierte meist Shimizu Senseis Sohn Kenta als Uke. Kenta Shimizu, respektvoll Waka Sensei genannt, ist seit zwei Jahren Uchi-Deshi im Tendokan. So verging die Trainingswoche wie im Flug, und am Ende war ich körperlich zwar deutlich müder aber geistig deutlich wacher und entspannter als zu Beginn der Woche.

Traditionell spricht Shimizu Sensei zum Abschluss eines Lehrgangs Graduierungen aus. Aus Hamburger Sicht verlief dieser Programmpunkt sehr erfreulich: Marcus Titze wurde zum Sandan und Gaelle Hemkemeier zum Nidan graduiert, unsere dänischen Freunde Steffen Mortensen und Kathrine Torp erhielten die Graduierung zum Shodan. Auch erteilte Sensei Lizenzen zur Lehrberechtigung an diverse Trainer.

Natürlich sollen auch die geselligen Runden am Abend im Aufenthaltsraum nicht unerwähnt bleiben. Dort kommt man bei einem Glas guten Weins oder einem Bier mit Aikidokas aus dem ganzen Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland schnell ins Gespräch und es entwickelt sich oft eine ausgelassene Stimmung.

Hamburg, Juli 2008
Oliver Höppner