Saturday, 14. February 2004
Eckhardt Hemkemeier

Asa Geiko – Frühtraining

Das Frühtraining hat im Budo einen besonderen Stellenwert. Den meisten Menschen fällt es schwer früh aufzustehen und sich, manchmal sogar ohne Frühstück und unsere Wachmacher wie Tee und Kaffee, konzentriert an die Arbeit zu begeben. Im Aikido geht es uns nicht anders, aber vielleicht ist es da auch etwas ganz Besonderes. Aikido üben wir freiwillig, also gehen wir freiwillig nicht zum Training, da es doch im Bett so schön ist.

Die Begeisterung des Frühtrainierenden können die anderen nicht teilen, allerdings auch nicht den Genuss des Wohlgefühls nach dem Training. Auch das positive Gefühl einer inneren Stärke versetzt den Aikidoka in gute Stimmung. Unserem eigenen Pflichtgefühl gefolgt zu sein, gibt uns Mut, mehr unsere Wünsche auch zu verfolgen, sie auch zu verwirklichen. Wie kommt es dazu?

Mushin, der leere Geist, nicht leer im Sinne von Nichts, sondern im Sinne von Unbefangenheit, ist wohl vielleicht ein Zustand, der auch kurz nach dem Aufwachen noch eine Weile anhalten kann. Manch einer mag diesen Zustand nicht, er fühlt sich unkontrolliert, geistig wie körperlich schwankend. Erst wenn der Ratio, der kontrollierte Verstand, wieder die Kontrolle übernommen hat, fühlt man sich wohl. Das man dadurch eine Chance aufgibt neue Dinge zu entdecken, ist einem nicht unmittelbar verständlich. Aber gerade diesen Zustand, den wir so oft im Budo, im Zen oder anderen Künsten suchen, bekommen wir hier geschenkt.

Die ersten Bewegungen, Atemübungen, Rollen und Techniken fallen unangenehm eckig auf, nach einer Weile aber kann man sich aber der Sache ganz hingeben. Es stellt sich ein Rhythmus ein, der einen flüssiger und harmonischer werden lässt. Man kann sich selbst beinah von Außen sehen und beobachten. Dies gibt eine gesunde Rückkopplung zu der Tätigkeit, die man gerade tut.

Ein anderer Aspekt ist, sich ganz speziellen Problemen stellen zu können. Durch das von Außen betrachten, sieht man seine Bewegungen in einer analytischen Weise, die aber nicht gefühllos ist, da man doch der Jenige ist, der da übt. Man kritisiert sich selbst in einer positiven Form und verändert, hoffentlich verbessert, sein Aikido.

Auch Shoshin, der Anfängergeist, ist paradoxerweise beim Frühtraining besonders wach. Noch ist der Ratio, die Vernunft und auch das Ego nicht sehr wach um den Anfängergeist in das selbstgefällige Ego des Alltags einzulullen.

Shoshin ist einfach die Bereitschaft einen Neustart zu machen. Mushin heißt, noch keine Bilder von dem zu haben, was man nun tut.

Dann ist man bereit besser zu lernen und man fühlt dies nach einer Weile auch. Überwinden muss der Langschläfer sich immer wieder, wie scheinbar im Gegensatz zum Frühaufsteher, der Abends dann nicht mehr so stark aufnahmefähig ist. Jeder muss die Bereitschaft haben, der eine Morgens, der andere am Abend. Es ist immer eine Möglichkeit etwas ganz Besonderes für sich zu tun.

Eckhardt Hemkemeier