Thursday, 10. January 2008
Shimizu Sensei

Offener Brief von Shimizu Sensei

Shimizu Sensei hat einen offenen Brief an alle deutschen Tendoryo Aikidoka verfasst, in welchem er Stellung nimmt zu den jüngsten Diskussionen und zur Gründung des Tendoryu Aikido Weltverbandes. Der Brief, den wir im Folgenden bereit stellen, kann auch auf der Homepage des TAD heruntergeladen werden. Wir bitten alle darum, über die Aussagen darin nachzudenken und sie in die aktuelle Diskussion mit ein zu beziehen.

An alle Tendoryu Aikido Schüler in Deutschland
Viele Jahre sind vergangen seit ich das erste Mal nach Deutschland zum Unterrichten kam. In dieser Zeit gab es die verschiedensten Ereignisse unter denen auch ernste Schwierigkeiten waren. Doch zusammen mit Ihnen, den Menschen die das Tendoryu Aikido lieben sind wir bis zum heutigen Tag weitergegangen.

Ursprünglich ist das Bujutsu unter den besonderen Bedingungen der Kriegszeit (vor circa 500 Jahren) von den Bushi (japanischen Kriegern) als Mittel zum Kampf aufgekommen und weiterentwickelt worden. Diese Techniken wurden dann in Folge von vielen ausgezeichneten Bujutsuka durch harte Anstrengungen weiter verfeinert. Da die Techniken zudem von einem hochentwickelten ethischen Gedanken durchdrungen sind kann das Bujutsu als ein Vertreter der Japanischen Kultur angesehen werden. Das Aikido als alte Bujutsuform enthält Techniken, die sehr effektiv im realen Kampf sind und somit gefährlich. Es werden daher keine Wettkämpfe ausgetragen. Die Weitergabe erfolgt durch Wiederholung festgelegter Formen. Die Aikidotechniken werden in erster Linie nur mit bloßen Händen, das heißt waffenlos ausgeführt. Man fasst sich nicht gegenseitig, sondern man hält Abstand und verwendet je nach Angriff des Partners/Gegners unter Berücksichtigung der mechanischen und physiologischen Schwachpunkte das Kokyu (Aufnehmen der Energie) und die Gelenke. Es gibt hauptsächlich Wurftechniken, Hebeltechniken und Festhaltetechniken

Wie vorher erwähnt eignet man sich die Techniken im Aikido durch wiederholtes Üben fester Formen an bei denen man sich natürlich bewegt. Durch diese Wiederholungen kultiviert man eine elementare Kraft, die letztendlich zum Verständnis aller Dinge führen kann.

Ich unterrichte nun seit genau 30 Jahren in Deutschland. Auf der einen Seite wird mein Vorgehen von Einigen als diktatorisch bezeichnet, auf der anderen Seite gab es während dieser ganzen Zeit von Tendoryu Japan aus keinerlei Vorschriften. Tendoryu Deutschland konnte sich bis heute in freier Form entwickeln. Jedoch bemerke ich seit geraumer Zeit im Deutschen Tendoryu ein Auseinanderdriften. Ein Teil der Aikidoschüler versteht die Bedeutung von Stilrichtungen nicht, d.h. was es bedeutet wenn man sich für eine Richtung entschieden hat. Demokratie darf nicht damit verwechselt werden, dass man nach Belieben alles im eigenen Sinn interpretiert. Ich wünsche mir, dass auch diejenigen, die Aikido als Hobby betreiben das Wesen des Budo (Aikido) begreifen, da sonst das Training keinen Sinn macht.

Ich möchte noch eine kurze Bemerkung zu Christian Rothhardts Mail machen, die er auf der Gröbenzeller Vereins-Homepage veröffentlicht hat. Die in dieser Mail nicht der Wahrheit entsprechende Darstellung möchte ich korrigieren. Christian hat auf Grund von bloßen Vermutungen dem neuen Vorsitzenden des tad unlauteres Handeln unterstellt. Es gab zwar ein vertrauliches Gespräch zwischen mir und Christian, doch die Angelegenheit die ich bei Tisch in Anwesenheit von nicht mehr als 7-8 Personen angesprochen hatte war nicht Bestandteil dieses Gesprächs, sondern wurde mir von anderer Seite zugetragen. Mir ging es nur darum den Wahrheitsgehalt dieser Information herauszufinden. Mit der Folge, dass ich daraufhin Christian heftig ermahnte und er sich letztendlich für seine fälschliche Mutmaßung entschuldigt hatte.

Wir stehen nun am Start des
Tendo World Aikido
Jetzt zum Anlass dieser 30 Jahre Tendoryu in Deutschland habe ich mich entschlossen, diese weltweite Organisation ins Leben zu rufen. Für diese Sache wünsche ich mir, dass alle an einem Strang ziehen, für ein gemeinsames Ziel. Tendo World Aikido wird als NPO (Non Profit Organisation) geführt werden und soll dem Zusammenhalt aller Tendoryu Aikido Mitglieder auf der ganzen Welt dienen und gleichzeitig einen hohen Unterrichtsstandart sichern – für den geistigen und körperlichen Fortschritt jedes Einzelnen.

Aikido ist ein Weg um den Körper unter die geistige Kontrolle zu bringen und über den Körper den Geist zu stärken.

Für Oktober 2009 ist die Durchführung eines Tendo World Aikido Seminars in Japan geplant. Einzelheiten werden noch bekannt gegeben. Sie sind alle herzlich dazu eingeladen.

Herzliche Grüße aus Tokyo
Shimizu Kenji
6.Januar 2008

Übersetzt von Birgit Lauenstein