Sonntag, 01. Dezember 2013

Warum machen Sie Aikido im Seishinkan?

Ein Bericht von Nickolas Richter

[Richter Nick]

Mein Weg ins Seishinkan

Bevor ich mit Aikido angefangen hab, war das Gewichtheben (olympisch) meine absolute und unangefochtene Leidenschaft. Dennoch wollte ich mal etwas Neues ausprobieren, etwas, das mir einen potentiellen Ausgleich zum Maximalkrafttraining bieten könnte. Eine Kampfsportart sollte es sein, die möglichst anspruchsvoll ist, wenig Kraft bedarf und bei der es nicht darum geht, jemanden kaputt zu machen. Nach längerer Suche kam ich auf das Aikido und somit auf das in der Nähe meines damaligen Wohnorts liegende Aikido Dojo Seishinkan. Dort ging ich auf gut Glück zu einer der angegebenen Trainingszeiten vorbei.

Was mich dort erwartete, hab ich so noch in keinem Verein erlebt!

Die Trainingshalle ist eigens für das Aikidotraining und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Man bekommt das Gefühl, mit dem Schritt über die Schwelle in Japan gelandet zu sein. Alle sind aufgeschlossen und freundlich. Jeder ist an einem interessiert. Man wird begrüßt und aufgenommen, als gehöre man schon immer dazu. Die Umkleiden werden einem gezeigt und schon kann man mitmachen.

Das Training ist erste Klasse. Begonnen wird stets mit Aufwärm- und Dehnübungen. Dann werden die zu übenden Techniken Schritt für Schritt aufgebaut. Dabei wird immer darauf geachtet, dass jeder egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener folgen kann. Auf der Matte sind bis auf den Trainer alle gleich. Das heißt, dass alle miteinander trainieren und nicht zwischen Dan-Trägern und Schülern unterschieden wird. Jeder passt sein Niveau dem des Gegenübers an, wodurch der Lerneffekt für beide maximiert wird. Bewegungsabläufe und Körperhaltung sind sehr natürlich, auch wenn man das zu Anfangs vielleicht nicht glauben mag. Dadurch kommt nicht das Gefühl auf, in etwas hineingezwängt zu werden, wofür der menschliche Körper nicht gemacht ist. Die drei Haupttrainer Eckhart, Klaus und Gerard ergänzen sich gegenseitig gut durch ihre unterschiedlichen Charakter und didaktischen Stile, sodass das Training nie langweilig oder einseitig wird.     

Wettkämpfe und Prüfungen gibt es hier nicht. Stattdessen entscheiden die Trainer anhand des Verhaltens und Fortschritts im Training welche Graduierung man erlangt. Der große Vorteil daran ist, dass man sich nicht in eine Prüfungsordnung verbeißt oder stets darauf schaut wie weit andere sind. Stattdessen gibt es einem die Möglichkeit die ganze Aufmerksamkeit auf das Training und den gemeinsamen Fortschritt zu legen. Des Weiteren hilft es einem den Grund, warum man Aikido trainiert, nicht aus den Augen zu verlieren:

- Weil es Spaß macht!           

Was mich persönlich besonders am Anfang sehr beeindruckt hat, ist, dass man mit Kraft und Gewalt nicht weiterkommt. Vielmehr lernt man beim Aikido und besonders im Tendoryu, dem Stil, der im Seishinkan gelehrt wird, seinen Körper im Gleichgewicht zu halten und zu bewegen, sowie körperlich als auch geistig flexibel zu sein. Ich habe im hier lernen dürfen, dass Aufmerksamkeit, Bewegung und Balance deutlichmächtiger sind als körperliche Kraft. Eine Erkenntnis, die auch im alltäglichen Leben ihre Anwendung findet.

Mittlerweile musste ich Hamburg aus beruflichen Gründen verlassen. Da es in Heilbronn kein Tendoryu Aikido gibt, habe ich mich bei einem anderen Aikido-Stil und auch andern Kampfkünsten umgeschaut. Jedoch habe ich keinen Verein mit einer derartig guten Atmosphäre finden können und besonders keine Kampfkunst oder anderen Aikido-Stil, die sich so „richtig“ anfühlen.

Ich bin sehr dankbar, dass ich beides hier erleben durfte, und freue mich bei jedem Besuch in Hamburg, mit meinen Freunden aus dem Seishinkan trainieren zu können.

Nickolas Richter